Protokoll der Mitgliederversammlung des „Regionalverbands Autismus Ostwürttemberg e.V. zur Förderung von Menschen mit Autismus“
Ort:
Berufs-Ausbildungs-Werk (BAW) Aalen
Datum:
26.Oktober 2022
Dauer:
18:00 Uhr bis 21:00 Uhr
TeilnehmerInnen:
Dr. Rolf Siedler, Jürgen Bitzer, Korsina und Jörg Kiesling, Adelheid Kühn, Stefan Bernlöhr, Kathrin Schauer, Arzu Bahar Kortmann, Simone Anger, Albrecht Haug, Andreas Kapfer
Tagesordnung
1. Begrüßung
· Durch den 1.Vorsitzenden des Regionalverbands Dr. Rolf Siedler
2. Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung und der Beschlussfähigkeit der Mitgliederversammlung
· Die Einladung zur Mitgliederversammlung wurde allen Mitgliedern am 11.10.2021 per Mail
direkt zugesandt.
· Anwesend sind 11Mitglieder, die Beschlussfähigkeit ist somit gegeben.
· Die Teilnehmerliste der Mitgliederversammlung liegt als Anlage 1 dem Protokoll bei.
3. Feststellung der Tagesordnung
· Die Tagesordnung wird von den anwesenden Mitgliedern einstimmig angenommen.
4. Bericht des Vorstandes
Der 1.Vorsitzende Dr._Rolf Siedler führt in seinem Tätigkeitsbericht aus, was sich mit Blick auf Autismus seit der letzten Mitgliederversammlung an den Rahmenbedingungen verändert hat:
· Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) geht zum 01.01.2023 in die letzte Phase der Umsetzung. Es steht für gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft. Hinter dem Gesetz steht ein veränderter Begriff von Behinderung: Im Fokus steht die Wechselwirkung von einstellungs- und umweltbedingten Barrieren, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum (länger als sechs Monate) ergeben werden. In diesem Sinne werden Behinderte viel stärker als Rechtssubjekte wahrgenommen, die ihre Bedürfnisse gegenüber dem Träger der Sozialhilfe formulieren und auch durchsetzen können. Dies hat auch für Autist*innen Vorteile. Ein Nachteil ist, dass der Bedarf individuell geprüft und festgestellt werden muss.
· Seit dem 01.01.2022 hat sich der Diagnose-Schlüssel für Autismus geändert. Die größte Veränderung besteht darin, dass die bisher prägenden „Subtypen“ wie Asperger, Kanner … weggefallen sind und die Autismus-Spektrum-Störung mit jeweiligen Kriterien in ihrer Ausprägung (und mit den jeweiligen Übergängen) definiert werden müssen. ASS wird künftig als 6A02.0 kodiert. Dies hat Vor- und Nachteile.
· Es wird viel geforscht. Das ist positiv, um die Besonderheiten der Wahrnehmung von Autist/innen besser zu verstehen. Insbesondere wird das Verstehen sozialer Situationen mit Magnetresonanztomographen aufgezeichnet und ausgewertet. Dr. Rolf Siedler weist auf das online-Programm FASTER hin (Freiburger AspergerAutismus spezifische Therapie für Erwachsene), das speziell für hochfunktionale ASS entwickelt wurde. Es wird in Freiburg und in Tübingen angeboten.
· Die Integration von Autist/innen scheitert an drei Punkten: Wohnen/ Arbeit/ Diagnose.
Der Vorsitzende führt die Bemühungen aus, die vom Vorstand mit der Entwicklung eines Modells unter dem Namen „I-Camp“ entwickelt und entsprechend vorgestellt wurden. In diesem Zusammenhang wird vom Vorstand versucht, Kontakt zu den „Hoffnungshäusern“ in Gmünd herzustellen. Frau Adelheitd Kühn weist in diesem Zusammenhang auf eine neue Initiative der Diakonie Stetten zum ambulant betreuten Wohnen hin, das in Stuttgart bereits praktiziert wird.
Leider fällt bezüglich Arbeit durch den Rückzug von Diversicon ein wichtiger Baustein weg, der in Kooperation mit dem bvw-ostalb (Berufsvorbereitungswerk Ostalb) erfolgreich durchgeführt wurde. Jürgen Bitzer erläutert die Hintergründe und bedauert, dass das Projekt nicht weiter fortgesetzt werden könne.
Mit Blick auf die Diagnose für Erwachsene berichtet der Vorsitzende von den Gesprächen mit dem leitenden Direktor der Ostalbkliniken Dr. Solzbach. Mit Frau Dr. Bär und Dr. Retzlik gibt es für das Kindesalter und für Jugendlich im Ostalbkreis die Möglichkeit einer verlässlichen Diagnose. Für das Erwachsenenalter ist dies immer noch nicht möglich. Der Vorstand bleibt an diesem Thema dran.
Nach wie vor ist es Ziel des Vereins, ein Autismus-Kompetenz-Zentrum zu etablieren.
5. Bericht des Kassenführers/ Mitgliederbestand
· Der Kassierer des Regionalverbands Herr Bitzer stellt deshalb die Kassenberichte für 2021 sowie die aktuelle Kassenlage dar.
· Kassenbericht 2021:
Neben den Einnahmen über die Mitgliedsbeiträge in Höhe von 1.040,00 € sind 2021 Ausgaben in Höhe von 1.271,97 € für Erstellung der Homepage (840,00 €) und Bankgebühren (4,44 €) sowie Internetgebühren (427,53 €) angefallen. Der Regionalverband hatte zum 31.12.2021 ein Guthaben von 4.159,44 €.
· Die Mitgliedsbeiträge für 2021 wurden im Dezember 2021 bei den Mitgliedern eingezogen.
· Ende 2021 hatte der Regionalverband 18 natürliche sowie zwei institutionelle Mitglieder
· Den Bericht des Kassenführers für 2021 liegt als Anlage 2 dem Protokoll der Versammlung bei.
· Anfragen der Mitglieder
· Es kamen keine Anfragen der anwesenden Mitglieder
6. Entlastungen der Mitglieder des Vorstandes
· Auf Antrag des Mitglieds Albrecht Haug wird die Entlastung des Vorstands beantragt.
· Eine geheime Abstimmung wird auf Anfrage von Albrecht Haug von den Mitgliedern nicht beantragt.
· Der beantragten Entlastung der 4 Vorstandsmitglieder (1. Vorsitzender Dr. Rolf Siedler,
2.Vorsitzender Martin Trautmann, Kassierer Jürgen Bitzer, Schriftführer Andreas Kapfer) wird von den anwesenden Mitgliedern einstimmig zugestimmt.
7. Bericht vom letzten Runden Tisch
Dr. Rolf Siedler berichtet vom letzten Runden Tisch. Er ging insbesonders auf die Thematik
„Diagnostik“ ein.
Frau Dr.Bär aus Schwäbisch Gmünd, begleitet aktuell über 100 Kinder und Jugendliche begleitet. Sie führte in ihrem Vortrag mit Bildern plastisch auf, wie sie spielerisch mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen vorgeht und diagnostiziert.
Schwachstelle ist, wie in vielen anderen Regionen, insbesonders die Diagnostik bei Erwachsenen. Bei Anfragen an den Regionalverband verweisen die Mitglieder u. a. an Fr. Dr. Susanne Reicherzer in München.
Bezüglich der Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen ist der Regionalverband u. a. im Gespräch mit der Kinder- u. Jugendpsychiatrie in Ellwangen (siehe Ausführungen von Dr.Siedler in TOP 4).
8. Thematik „Wohnmöglichkeiten für Autisten – I-Camp“
Der Vorsitzende Dr. Rolf Siedler hat zu diesem Thema Wie im „Bericht des Vorstands“ unter TOP 4 bereits ausgeführt, versucht das angedachte Modell „I-Camp“ unterschiedliche Aspekte zu bündeln: Wohnraum für Autist*innen, exemplarisch milieuübergreifende Nachbarschaften, Nachhaltigkeitsaspekte.
9. Berichte von bzw. aus den Selbsthilfegruppen
SHG Ellwangen
· Herr Bernlöhr führt aus, dass in 2021 in Kooperation mit der Marienpflege in Ellwangen eine SHG Autismus mit dem Schwerpunkt „Kinder und Jugendliche“ gegründet wurde.
· Im 14-tägigen Turnus treffen sich Eltern, die Teilnehmerzahlen liegen zwischen
7-12 Personen.
· Themenfeldern wie „Schulbegleitung“ und „Eltern: Bin ich schuld?“ werden behandelt und diskutiert.
· Die SHG ladet lädt Fachexperten als Referenten ein(bis zu 40 Teilnehmern).
So wurde Herr Gottstein eingeladen, er referierte zum Thema „Hilfeplanerstellung“, er begleitet auch Eltern bei der Erstellung. Desweiteren wurde Herr Wild/ Autismus-Beauftragter vom Schluamt Schulamt Göppingen eingeladen.
· Frau Schauer von der SHG Ellwangen fragte am Schluss der Ausführungen, ob Dr. Rolf
Siedler bzgl. „Schulbegleitung“ als Schlichter zur Verfügung stehen würde, da es mit den Maltesern, die in Ellwangen für die Schulbegleitung zuständig sind, Konflikte geben würde. Dr. Siedler kann sich dies vorstellen. Er schlug vor, dass das Thema „Schulbegleitung“ im nächsten Runden Tisch ein TOP sein könnte.
SHG Eltern mit volljährigen Autisten
· Andreas Kapfer führt aus, dass sich die Teilnehmer/innen der SHG monatlich (bis auf die Sommerferien) treffen.
· In 2021 + 2022 hat sich die Teilnehmerzahl reduziert. Hintergrund ist, dass aufgrund Corona in 2020 monatelang kein Treffen möglich war. Lag die Teilnehmerzahl vor Corona in der Spitze bis zu 20 Personen (großteils Eltern, teilweise auch Autisten), liegt die Teilnehmerzahl aktuell bei 6-10 Personen.
· Interessanterweise kamen in 2022 bei der Familie Kapfer mehrfach Anrufe von volljährigen Autisten an. In den letzten Treffen nahmen bis zu 4 Autisten bzw. noch nicht diagnostizierte Menschen.
SH-Initiative ASS in Schwäbisch Gmünd
Mit Unterstützung des DRK hat sich in Gmünd eine Selbsthilfegruppe ASS bzw. Selbsthilfe-Initiative Schwäbisch Gmünd gegründet. Frau Anger berichtet über die ersten Treffen mit Eltern von autistischen Kindern. Sie ist in Kontakt mit der SHG Ellwangen. Die Anfänge sind vielversprechend. Es wird derzeit eine Homepage und ein Flyer erstellt. Interessant: Kontakte nicht über soziale Medien, sondern über Zeitung und über Mund-zu-Mund Propaganda.
10. Diskussion „Initiieren von Selbsthilfegrippen gruppen für ausschließlich Autisten
Herr Kapfer führte aus, dass in die Treffen der SHG „Eltern mit volljährigen Autisten“ mehr volljährige Autisten kommen. Deshalb stellt sich dieser SHG die Frage, ob wir eine „SHG für volljährige Autisten“ initiieren sollten. Es kam nach kurzer Diskussion kein Ergebnis zustande.
11. Verschiedenes
Es wurden diverse Themenstellungen diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht
Anregung: einen gemeinsamen Flyer für die drei Selbsthilfegruppen zu machen
Anregung: eine Schulung / Informationen zum Thema Behindertenausweis vor allem im Übergang zur Volljährigkeit (wo bestimmte Merkmale wegfallen)
Anregung: Gespräch mit KIGSS wegen Konzepten der Selbsthilfegruppen („begleitete Gruppe“) – Frau Kortman möchte gerne Schulungen anbieten, z.B. in Selbsthilfegruppen.
Anregung: Berufsbildungswegekonferenzen mit Agentur, Schulamt … wie können diese verlässlich gesichert werden.
Nächster Runder Tisch soll im Februar stattfinden und oben genannte Themen aufgreifen.
Aalen, 26.10.2022
_______________________________ ________________________________
1.Vorsitzender Dr. Rolf Siedler Schriftführer Andreas Kapfer
Vereinsvorstand
Dr. Rolf Siedler
aalen@rolfsiedler.de
Neuer Regionalverband Autismus ist Mitglied im „Beirat von Menschen für Behinderung“
www.aalen.de
Kontakt- und Infostelle gesundheitlicher Selbsthilfegruppen (KIGS) der AOK Ostwürttemberg
www.aok-bw-presse.de
www.autismus-kultur.de