„Es wird an einem innovativen Wohnmodell für Autisten getüftelt“
Der siebte Runden Tisch „Autismus“ wartete mit einer Reihe von Experten und neuen Ideen auf
Zum siebten „Runden Tisch Autismus“ durfte Landrat Dr. Bläse rund 40 VertreterInnen aus Einrichtungen begrüßen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit den Anliegen von Menschen aus dem Autismusspektrum beschäftigen. Darunter auch den Vorsitzenden des Regionalverbandes Autismus Ostwürttemberg e.V. Dr. Rolf Siedler.
Sehr anschaulich berichtete zunächst Frau Dr. Jorinde Bär über die Arbeit ihrer Praxis in Schwäbisch Gmünd, in der pro Jahr zwischen 80 – 100 autistische Kinder und deren Eltern von einem multiprofessionellen Team begleitet werden. An lebendigen Beispielen aus der Praxis konkretisierte die ausgewiesene Expertin ihren therapeutischen Ansatz: Kinder und Jugendliche mit Autismus seien eben anders. Man müsse lernen, sie mit ihrer sehr spezifischen Wahrnehmung zu verstehen und sie nicht als „krank“ abzustempeln.
Oberärztin Monika Enderle von der Psychosomatik Aalen knüpfte in ihren Ausführungen direkt daran an. Als Therapeutin behandelt sie keine Kinder, sondern Erwachsene. Dabei sind häufig die in der Psychosomatik behandelten Diagnosen wie z.B. Depression eher die Folgeerscheinungen von Schwierigkeiten, die Autisten in konkreten Alltagssituationen erleben. Mit Diagnosen für Erwachsene sei es in unserer Region ohnehin schwierig, bemängelten Teilnehmer. Sie würden nach Freiburg, Tübingen, München oder Köln verwiesen. In der Diskussion darüber ergab sich deutlich, dass an der Frage der Diagnostik für Erwachsene zwingend gearbeitet werden muss.
Stefan Bernlöhr schilderte im dritten Teil von der Selbsthilfegruppe, die sich in Ellwangen Ende des vergangenen Jahres gegründet hat. Die Resonanz sei so groß, dass sich die Gruppe zwei Mal im Monat treffe, freute sich Stefan Bernlöhr und verwies auf zahlreiche Vorhaben wie etwa Sozialkompetenz-Trainings. Die Leiterin des Jugendamtes, Frau Funk, lobte ausdrücklich das Engagement der Selbsthilfegruppen und bot ihre Hilfe an.
Dass sich auch in Schwäbisch Gmünd was tut, zeigte sich in der anschließenden Diskussion. Denn das DRK Schwäbisch Gmünd und das Canisiushaus denkt an die Gründung einer Selbsthilfegruppe. Der Regionalverband Autismus e.V. hat ausdrücklich seine Unterstützung zugesagt. Seitens des Regionalverbands wurde noch angemerkt, dass es sinnvoll ist, verschiedene Selbsthilfegruppen anzustoßen, da die Schwerpunktthemen bei volljährigen Autisten und Autisten im Kindergarten- und/oder Schulalter sehr unterschiedlich sind.
Den Abschluss des Runden Tisches bildeten die Ausführungen von Dr. Rolf Siedler, der zusammen mit Frau Dr. Palfi-Springer und den Kollegen aus dem Vorstand des Regionalverbandes, Martin Trautmann, Jürgen Bitzer und Andreas Kapfer ein Wohnmodell unter dem Titel „I-Camp“ vorstellte. Da das Thema Wohnen und Arbeit für den Regionalverband auf der Tagesordnung ganz oben steht, will man mit möglichst vielen Interessierten an die Verwirklichung eines innovativen, pfiffigen Wohnmodells gehen, das auf die Bedürfnisse von Autisten abgestimmt aber eben grundsätzlich offen ist für Interessierte an inklusiven Wohnformen.
Für alle Teilnehmer war der Runde Tisch ein Gewinn, sagte Landrat Dr. Joachim Bläse nach intensiven zwei Stunden. Er habe dabei viele neuen Aspekte kennen gelernt. Er dankte ausdrücklich dem Regionalverband und freue sich darauf, zusammen mit den unterschiedlichen Akteuren möglichst viel zur Verbesserung der Lebenssituation von Autisten zu unternehmen.
Vereinsvorstand
Dr. Rolf Siedler
aalen@rolfsiedler.de
Neuer Regionalverband Autismus ist Mitglied im „Beirat von Menschen für Behinderung“
www.aalen.de
Kontakt- und Infostelle gesundheitlicher Selbsthilfegruppen (KIGS) der AOK Ostwürttemberg
www.aok-bw-presse.de
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